Vor der Wahl ist während der Wahl

Photo: Kersten A. Riechers

Deutschland vollführt den schwarz-gelben Richtungswechsel, die SPD ist in weite Ferne gerückt. Dieser subtile Vorbote des amtlichen Endergebnisses der deutschen Bundestagswahl 2009 – er klebte schon am Boden des Willy-Brandt-Hauses, bevor die erste Hochrechnung kam.

Mindestens genau so lange vorbereitet wie die Wahlparty der SPD, war auch die Berichterstattung für derStandard.at, die Tobi und ich gestern aus Berlin übernehmen durften. Einen Tag lang haben wir die Wahl an verschiedenen Stellen der Hauptstadt begleitet. Angefangen beim Kiosk an der Ecke, weiter zum Wahllokal vorbei an untypischen Wahlplakaten hin zur Vorbereitung der Wahlparty bis schließlich zum Live-Bericht aus der Parteizentrale.

Die Lehren und Einblicke eines solchen Tages will ich an dieser Stelle gerne teilen.

Wiki-wiki – schnell, schnell !
Schon in einigen Projekten zuvor haben wir es lieben gelernt und können es gar nicht oft genug empfehlen: Das Wiki. Nimmt man eine simple Variante wie das DokuWiki, ist es schnell aufgesetzt und einsatzfähig.

Gerade weil wir nicht in einer festen Bürostruktur zusammenarbeiten, hat uns das Wiki geholfen, Hintergrundinfos, Statistiken und Fundstücke an zentraler Stelle zu sammeln. So konnten wir von unterwegs sehr schnell etwa auf gesammelte Statistiken zurückgreifen und mussten diese nicht zeitraubend recherchieren.

Wo, wann und wie schnell?
So dröge es auch scheint: Zeit- und Routenplanung sind das Rückgrat. Unsere Aufgabe war es, in wenigen Stunden an so vielen Orten wie möglich Stimmung und Meinungen einzuholen. Nachdem wir unsere wichtigsten Stationen definiert hatten (Wahllokal, Wahlpartys, besondere Wahlkreise), haben wir uns den Stadtplan geschnappt und die Etappen geographisch sinnvoll aneinander gepappt. Dazwischen immer schön Luft fürs Schreiben.

Die im Wiki abgelegten Adressen waren direkt mit Google Maps verlinkt, sodass das schlaue Mobiltelefon sofort die Führung übernehmen konnte. Was beim nächsten Mal noch besser gehen kann: Nicht nur die exakten Adressen, sondern auch umliegende U- und S-Bahnstationen recherchieren.

Alles da, wenn auch wir da sind?
Akkreditierungen sind nicht gleichzeitig die Garantie auf einen Online-Zugang. Wer nicht ohnehin mit seinem eigenen UMTS-Zugang unabhängig ist, sollte spätestens bei der Akkreditierung nachfragen, welches dreiseitige Dokument zu unterschreiben ist, bevor einem gnädig das WLAN geöffnet wird. Bei besonders großen staatstragenden Organisationen (natürlich nicht die CDU, neeein) werden Anmeldungen bisweilen auch nach zweimaligem Akkreditieren nicht wiedergefunden – da hilft nur Nachfragen.

Zu zweit ist besser.
Der Multifunktionsjournalist ist mehr Utopie als Zukunft. Mag es auch Luxus gewesen sein, dass wir im Zweier-Team unterwegs waren, für die Qualität war es sicherlich ein Muss. Es ist einfach nicht möglich, gleichzeitig Photos zu machen, mitzuschreiben und auf das Gesagte zu achten. Wer das versucht, vernachlässigt mit Sicherheit mindestens eine der Komponenten.

Dass wir als Online-Journalisten für sämtliche Medien und Formate ausgebildet werden, ist dabei kein Widerspruch. Gerade durch die interdisziplinäre Ausbildung konnten wir je nach Situation die Rollen von Photograph und Texter wechseln, oder mit der Redaktion kommunizieren, während der andere die Bilder bearbeitete. Für das Redigieren liegen die Vorteile sowieso klar in vier Händen.

Onlinesein!
Mehrmals haben wir die Orte gewechselt – natürlich nicht nur nach Plan. Flexibilität ist für einen Journalisten selbstverständlich. Die Mittel müssen es aber auch sein. Ohne den mobilen Internetzugang wären wir um einiges langsamer gewesen und hätten manches womöglich nicht entdeckt. Was Endgeräte und Datenflatrates betrifft, ist aber gerade in Deutschland noch viel Luft nach oben.

Alte Journalistenhasen mögen hier vielleicht nur zustimmend nicken, angehenden Journalisten oder in der Ausbildung steckenden – so wie wir selbst auch – mögen unsere Erfahrungen  vielleicht aber auch der eine oder andere Gedankenanstoß sein. Oder wie steht’s mit eurer Erfahrung?

Coole Location – cooles Ergebnis?

Photo: Kersten A. Riechers

Ein grüner Staubsauger saugt sich tapfer über den grauen Boden. Hin und her. Immer wieder an der grünen Bühne vorbei. Zwei Mikros stehen auf dieser Bühne, sonst nichts. In nur noch wenigen Stunden werden hier glückliche Minen und Münder einen Wahlerfolg der Partei Bündnis 90/Die Grünen verkünden. Denn glücklich sind solche Verkünder immer, egal wie es ausgeht. Die Köpfe hängen lassen, das kann sich an so einem Abend nicht einmal die geschnittene Sonnenblume leisten.

„Wir haben sicherlich die coolste Wahlparty-Location von allen, jetzt brauchen wir nur noch ein cooles Ergebnis“, sagt einer der Helfer. Die Grünen haben ihr Wahlquartier ins alternative Friedrichshain gelegt, eine ihrer Hochburgen in Berlin. 21,8 Prozent der Zweitstimmen gewann die Partei in diesem Wahlbezirk bei der letzten Bundestagswahl, wurden zweitstärkste Kraft hinter der SPD.

Hunderte Quadratmeter ist der Postbahnhof am Ostbahnhof groß. Zwischen 1000 und 2000 Gäste werden hier ab 17 Uhr 30 erwartet. Renate Künast und Jürgen Trittin, die Spitzenkandidaten von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN werden kommen. Ebenso Claudia Roth und Cem Özdemir. Doch noch ist von Politprominenz nichts zu sehen, nur die Journalisten tummeln sich bereits in allen Ecken. Überall im Saal haben die TV-Stationen ihre mobilen Studios aufgebaut. Unzählige Techniker laufen herum, hinter den Kulissen werden die ersten Moderatoren gepudert.  Vor dem Gebäude füllen junge Parteimitglieder 1500 Luftballons mit Helium. Auf dass es nach oben geht.

Der Wahlspaziergang

Copyright: derStandard.at / Kersten A. Riechers

„Ob hier schon was los war? Da müsst ihr später kommen“, sagt Wahlhelfer Falk Berndt, 34 und lacht. Vor 14 oder 15 Uhr ginge in diesem Stadtteil kaum einer wählen. Zusammen mit fünf weiteren Wahlhelferinnen und Wahlhelfern sitzt Berndt in einem Klassenraum der Käthe-Kollwitz-Oberschule im Wahlkreis Pankow. Die Wahlhelfer arbeiten in zwei Schichten. Eine früh, eine spät. Sie geben Stimmzettel aus und haken ab, wer sein Kreuz gemacht hat.

Pankow ist nicht gerade repräsentativ für Deutschland. „Doch welcher Wahlbezirk ist das schon“, fragt einer der Wahlhelfer. In der Nähe von Essen gäbe es ein Dorf, das immer ganz nah am am bundesweiten Endergebnis dran sei.

2005 lag in Pankow die SPD vorne. Sie gewann 34,6 Prozent der Stimmen, gefolgt von der Linkspartei mit 24,4 Prozent. Die CDU? Abgeschlagen mit lediglich 14,4 Prozent. Und hätte allein dieser Bezirk im Osten Berlins über die Zusammensetzung des Bundestages entschieden, die FDP wäre mit 5,7 Prozent fast an der Fünf-Prozent-Hürde und damit am Einzug ins Parlament gescheitert.

Und heute? Demoskopen gehen davon aus, dass derzeit noch 40 Prozent der Wähler unentschlossen sind, wo sie ihr Kreuz machen sollen. Was also mag einem Wähler auf dem Weg zur Käthe-Kollwitz-Oberschule durch den Kopf gehen?

Merkel war nicht schlecht, aber auch nicht gut. Die SPD ist zu rechts, die Linken zu links, die Grünen zu grün und überhaupt: Von Wirtschaft haben die doch keine Ahnung. Dabei ist doch Krise. Also Stammwählen? Wechselwählen? Stell dir vor, Guido Westerwelle wird Außenminister. Stell dir vor, Frank-Walter Steinmeier bleibt Außenminister. Wieder Große Koalition. Willst du das? Ja? Dann wähle Grün. Taktisch klug. Ist das Überzeugung? Ist das noch Demokratie? Also lieber gleich ungültig wählen? Aus Protest. Protestwahl! Bin ich WIR? Weg mit Hartz IV! Links? Rechts? Ruck? Zu radikal. Also Volksparteien wählen. Aber wie viel Volkspartei steckt noch in den Volksparteien? Kann angesichts dieser Umfragewerte überhaupt von Volksparteien gesprochen werden? Die Kinder, die Steuern, die Schulden, die Krise, die Krise, die Krise, das Geld, die Zukunft und Opel und Umwelt. Atom und Lobby, Fernsehduell und Afghanistan. Und wer sind eigentlich diese Piraten?

Wir fragen die, die gerade gewählt haben. „Erststimme Thierse, Zweitstimme CDU“, verrät uns ein junger Familienvater. Wolfgang Thierse (SPD), von 1998 bis 2005 Präsident des Deutschen Bundestages und seit 2005 Vizepräsident, wohnt gleich um die Ecke in der Knaackstraße. Einer aus dem Kiez. Einer, der anerkannt wird. 2005 gewann er über 40 Prozent der Erststimmen. Wirklich aus Überzeugung habe er nicht gewählt, erzählt uns der Mann. Der Wahl-O-Mat habe schließlich den Ausschlag gegeben – „auch wenn da ganz kuriose Parteien vorne mit dabei waren.“ Er wünscht sich den Fortbestand der Großen Koalition. Das sei doch gar nicht so schlecht gewesen.

Die wenigen älteren Menschen, die ins Wahllokal kommen, wollen uns nicht sagen, wen sie wählen. Anders Mattia Bier. „Grün, Grün, Grün“, sagt die junge Frau noch ehe wir unsere Meinungsforscherfrage beenden können. Sie wählt aus Überzeugung. Keine taktischen Spielchen. So könne Demokratie doch nicht funktionieren, meint sie. Dass die Chancen auf eine Regierungsbeteiligung der Grünen von den Demoskopen als gering eingestuft werde – Mattia Bier zuckt mit den Schultern. „Ich glaube fest daran, dass die Grünen an einer neuen Regierung beteiligt sind“, sagt sie und fährt mit dem Fahrrad in den Wahlsonntag.

970 Menschen könnten heute theoretisch in einer der zwei Wahlkabinen im Klassenraum ihr Kreuz machen. Doch dass die alle kommen – daran glaubt im Wahllokal niemand. Kristin Pfeiffer, 23, hilft bereits zum zweiten Mal. Sie hat sich ein Buch mitgenommen, ihre Nachbarin macht Kreuzworträtsel. Ab 18 Uhr werden sie die Stimmzettel auszählen und das Ergebnis telefonisch weitergeben.

„Is‘ doch noch den janzen Tach Zeit“

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Die Clubs haben die letzten jungen Menschen ausgespuckt. Nach einer durchtanzten Nacht wanken sie über das Berliner Kopfsteinpflaster. Es ist Wahlsonntag in Berlin. In Deutschland. Neun Uhr. Seit einer Stunde haben die Wahllokale geöffnet. Die Urnen stehen bereit und warten auf Stimmzettel. Der blaue Himmel-Sonnenschein spricht für eine hohe Wahlbeteiligung. Die Prognosen hingegen für die niedrigste seit Jahren.

Eine junge Familie steht vor einem Eckkiosk im Stadtteil Prenzlauer Berg und schaut auf den Zeitungsständer. „Klar haben wir schon gewählt“, sagen Vater und Mutter unisono und tun gerade so, als sei das normal für diese Uhrzeit und dieses Land.  Die Zeitungsmacher scheinen da schon besorgter zu sein, die Schlagzeilen sprechen eine klare Sprache:

„Wir haben die Wahl“, titelt der Tagesspiegel; die Berliner Morgenpost ähnlich: „Deutschland hat die Wahl“. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung scheint gerade zu ungeduldig: „Endlich dürfen die Deutschen wählen“. Und die beiden lokalen Boulevardblätter appellieren an die Leser: „Bitte gehen Sie wählen“ fordert die B.Z. und der Berliner Kurier wortwitzelt: „Heute alle hier aufkreuzen“.

Ein Mann mit Drei-Tage-Bart und Vier-Tage-Hemd steht rauchend daneben. Er sieht das um einiges gelassener: „Is‘ doch noch den janzen Tach Zeit.“ Ob er denn wählen geht? „Wahrscheinlich“.

Genau so ernst nimmt die Wahl auch Deutschlands größte Boulevardzeitung Bild: „Wer lacht heute Abend?“, fragt sie auf ihrer Seite Eins.

Was um 18 Uhr sein wird, wenn in ganz Deutschland die ersten Hochrechnungen im Fernsehen gezeigt werden, das ist unklar. Die SPD, soviel scheint klar, wird ein Debakel erleben. Matthias Jung, Chef der Forschungsgruppe Wahlen, erwartet “ein Fiasko” für die SPD. Er rechne fest mit einer “knappen, aber sicheren Mehrheit” für Schwarz-Gelb meldete am Samstag der Tagesspiegel.

Das sieht auch der Kioskbesitzer im Prenzlauer Berg so. Er erwartet sich weder viele verkaufte Zeitungen, noch einen Wechsel in der Politik: „Da bleibt alles beim Alten. Merkel wird’s wieder werden.“

Die CDU scheint sich indes nicht so sicher zu sein. Selbst den eher konservativen Lesern der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärt sie mittels Wahlwerbung auf der Seite vier: „Wer Merkel stärken will, muss CDU wählen“. Wer hätte das gedacht.

Palomar5 und die Revolution der Arbeitswelt

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Sie wollen dort weiter machen, wo BarCamps und Think-Tanks aufhören: Palomar5, ein Berliner Non-Profit-Projekt, will ab Oktober die Arbeitswelt verändern. „Es ist nicht so, dass wir alle total frustiert mit der Arbeitswelt sind“, sagt Jonathan Imme, einer der Initiatoren. Als Angehörige der Generation der Digital Natives geht es den Organisatoren vielmehr darum, Prozesse der Zusammenarbeit anders zu gestalten – und dann auch praktisch auszuprobieren.

Den Raum dazu haben sie nun in der Berliner Malzfabrik gefunden. Sechs Wochen lang sollen sich dort 30 junge Leute kreativ mit dem Thema Arbeit beschäftigen. Was sie genau veranstalten, vermag zwar noch keiner zu sagen, doch an Möglichkeiten soll es nicht mangeln. Namhafte Unternehmen wie etwa die Deutsche Telekom unterstützen das Projekt finanziell und stellen so jegliches Material, das die Teilnehmer während des Camps brauchen. Wer ein Baumhaus wünscht, soll eins bekommen, wer einen Raum zum Schreien braucht, soll ihn sich bauen dürfen. Nur wenn jemand auf die Idee kommt, die Grundmauern einzureißen, müsste „man das wohl nochmal genau absprechen“.

Noch bis zum 30. August können sich Interessierte bei Palomar5 bewerben – rein nach Lebensläufen wird dabei nicht ausgewählt, verspricht Imme. Doch auch wer es nicht unter die 30 Auserwählten schafft, kann sich an dem Projekt beteiligen – wie genau das geht, woher Palomar5 seinen Namen hat und weitere Hintergründe erzählt Jonathan Imme im Gründerszene-Interview.

Film ab!

Gemüsedöner und Sonnenschein

Lecker war es in Berlin. Und da wir selbst so dankbar waren für all die kleinen Tipps, zugeflüstert von diversen (Ex-)Berlinern, möchte ich euch diesen schmackhaften Reiseführer nicht vorenthalten:

Tipp 1: Essen im Zentrum kostet viel Geld und hat wenig Flair. Also ab nach Friedrichshain, auf den Kreuzberg und den Prenzlauer Berg!

Tipp 2: Mustafa’s Gemüsekebab. Direkt an der U-Bahn-Station Mehringdamm in Kreuzberg steht eine kleine unscheinbare Bude, die mein Verständnis von einem guten Döner revolutioniert hat. Würzige Soße (Kräuter, Knoblauch oder Scharf) in den Dürüm oder den Fladen, dazu leckeres Dönerfleisch, Kraut, Salat, Zwiebeln und ordentlich gegrilltes Gemüse. Als Abrundung ein Fitzelchen frisch gepresste Zitrone. Ein wahrer Genuss für wenig Geld.

Tipp 3: Beckers Fritten. Die orangene Frittenbude in der Oranienburger Straße, schräg gegenüber vom Tacheles, kommt ohne den oft fälschlich gesetzten Apostroph im Namen aus. Das freut den Germanisten und den Gaumen zugleich. In belgischer Tradition werden die Pommes frisch zubereitet und mit Schale frittiert. Dazu wählt man zwischen unzähligen Soßen – ich empfehle die Knoblauch-Mayo. Die Currywurst kann man sich sparen, statt dessen lieber eine große Tüte Pommes für drei Euro erwerben.

Tipp 4: Nil. Leider habe ich mir den Straßennamen nicht gemerkt. Aber wenn ihr in der Nähe des Schlesischen Tors einen nicht gerade einladenden Sudanesischen Imbiss namens Nil findet, geht hinein und esst irgendetwas mit dieser fantstischen Erdnuss-Soße!

Tipp 5: Yellow Sunshine. Als überzeugter Fleisch-Esser hätte ich es ja nicht für möglich gehalten, aber dieser vegetarische Burger war, man muss es so deutlich sagen, geil! Im Yellow Sunshine in der Wiener Straße 19 in Kreuzberg, das von sich selbst behauptet der erste vegetarische Bio-Schnellimbiss zu sein, gibt es von Gyros über Burger alle leckeren Fast-Food-Gerichte ganz ohne Fleisch. Das schmeckt dem Vegetarier oder Veganer aber auch dem Fleischfreund, wie mein tapferer Selbstversuch gezeigt hat. Für sieben bis acht Euro gibt es ein Menü mit Burger, Pommes, Salat und Bio-Limonade. Läuft.

Diese Schleichwerbung war mir ein Vergnügen. Jetzt gilt es meinen Stamm-Kebab beizubringen, wie er seinen Döner etwas aufmotzen könnte. So ein bisschen Gemüse und ein Fitzelchen Zitrone… dit wär was.

Fazit.

Die Linke Medienakademie ist vorbei. Berlin geht weiter.

Textabsonderungsstelle

Wo befindet sich die grauenhafteste Textabsonderungsstelle? Dr. Michael Meissner weiß es: Bei der Pressestelle der Linken.

Solche Aussagen lassen mich aufhorchen an diesem Wochenende. Als am Freitag ein Dozent zugab, dass er außer für die Linken auch für andere Parteien arbeitet, wurde er mit Blicken gelyncht getadelt. Nicht so bei diesem Herrn. Er ist Dozent für Theorie und Praxis der Presse an der FU Berlin. Da haben die Genossen schon ein bisschen mehr Respekt.

Redigieren von Texten und Pressemitteilungen. Das wollen wir lernen – soweit das in zwei Stunden zu schaffen ist.

Bevor wir aber zum praktischen Teil (Üben anhand einer Pressemitteilung der Linken) übergehen, gibt es einen längeren aber durchaus kurzweiligen Vortrag zur Theorie. Da deckt sich vieles mit dem, was wir im ersten Semester in der Textwerkstatt gelernt haben.

A propos Textwerkstatt: Meissner erzählt, in seinem Institut gebe es für die praktischen Übungen keine Noten. Das sei genau so schwachsinnig wie Noten im Deutschunterricht.

Meine Studenten kennen nicht einmal mehr den Unterschied zwischen anscheinend und scheinbar, spricht’s und schaut in betretene Gesichter. Das Ganze erinnert mich an eine Mischung aus Wolf Schneider und Bastian Sick. Moment, sagte ich Schneider?

Ein einziges Buch könne er empfehlen, ansonsten sei der Mann ein Gesinnungslump, ein Faschist im Tarnanzug. Aber der ist ja schon über 80. Die biologische Endlösung kommt gewiss, wie ich immer sage.“

Das Zeilengeld ansprechend führt er das mir bislang unbekannte Wort unkürzbar ein. Seine Theorie klingt kalt aber realistisch: Ein geschickter Freier schreibt so, dass sein Text unkürzbar ist. Er sei darin immer Meister gewesen.

Es bleibt ein fachlich korrekter Vortrag und ein Dozent, der für gute verständliche Schreibe wirbt.

Am Ende wirbt Meissner dann noch für etwas anderes: Für Meissner. Der sei jederzeit zu buchen, schreibe Weblog und koste Parteifreunde nur 200 Euro plus Reisekosten.

Achja. Eins noch: Webseiten gestalten kann er auch (sagt er).

Linke Medienakademie. Tag Zwei und Drei.

Die Medienakademie neigt sich dem Ende zu. Es wird Zeit, die geschätzte Leserschaft unserer kleinen Publikationsplattform auf den neusten Stand zu bringen. Von links nach rechts:

Am Freitag verbringen wir den Abend auf dem Friedrichshainer Kiez . Der Kommunismus zieht sich wie ein roter (!) Faden durch das Wochenende und so landen wir in der Kneipe „Die Tagung“, in der wir uns Roter Oktober schmecken lassen. Ein Bier, passend beworben mit dem Slogan: „Heute schon Genossen?“.

Am Samstag spielen Kersten und ich Touristen. Vor dem verkehrstechnischen Supergau am Montag, nutzen wir die öffentlichen Verkehrsmittel und fahren mit der S-Bahn zum Alexanderplatz, wo mit dem großen Türmsche, der erste Haken auf dem Touristen-Stadtplan gemacht werden kann. Wir laufen am Roten Rathaus vorbei zum Denkmal von Marx und Engels. Es erscheint uns passend in diesen Tagen. Der „selektive Rückbau“ das Palazzo Prozzo beeindruckt wenig, dafür umso mehr die Trabi-Safari. Viele kleine Trabis tuckern wie an einer Perlenkette durch die Hauptstadt, die ostalgischen Touristen auf die Rückbank gezwängt. Wie authentisch werden sich die beiden korpulenten Damen gedacht haben, als der Motor des kleinen Zebra-Trabis mitten auf der Straße des 17. Juni den Dienst quittierte.
Immer weiter, vorbei am Adlon, wo sie den roten Teppich ausrollen, durch die Menschenmassen vor dem Brandenburger Tor laufen wir hin zum Reichstagsgebäude, das wir interessiert umkreisen. Einen Blick auf die Siegessäule geworfen und schon stehen wir vor den Stelen des Holocaust-Mahnmals, zwischen selbigen Menschen von Nah und Fern lachend Fangen und Verstecken spielen. Niedersachsen und Hessen lassen wir hinter uns und verschwinden im S-Bahn-Schacht des Potsdamer Platzes. Alle wichtigen Wahrzeichen Berlins in 60 Minuten abgehandelt, das soll uns so schnell einer nachmachen.

Im Neuen Deutschland entfällt am Nachmittag der Workshop über „Moderne Trends der Zeitungsgestaltung“. Wenigstens das Seminar „Tipps und Kniffe bei InDesign“ kann stattfinden. Grafikdesigner Rüdiger Metzler springt für den erkranken Udo Tremmel ein, hat jedoch mit technischen Hürden zu kämpfen. Auf den bereitgestellten Laptops ist kein InDesign installiert. Für den Download der knapp 400 MB großen Testversion werden über eine Stunde Geduld prognostiziert. Metzler improvisiert und versucht mit Hilfe von Screenshots den Zuhörern das Layout-Programm näher zu bringen. Viele ältere Semester kämpfen indessen mit dem Verständnis, stellen abenteurliche Fragen und strapazieren die Nerven des Profis und der anwesenden Amateure. Viel Neues erfährt man in all diesem Chaos nicht.

Halten wir fest: Es lohnt sich vor dem Arbeiten mit InDesign Arbeitsbereiche festzulegen. Ein Schriftenverwaltungsprogramm erleichtert die Arbeit genauso wie das richtige Einstellen der Grundeinstellungen. Und sollten beim InDesignen Fragen auftauchen lohnt ein Blick auf hilfdirselbst.ch. Weiterhin empfiehlt Metzler die Podcasts von theindesigner und diephotoshopper.

Wir füllen unsere Mägen indisch und feiern anschließend im empfehlenswerten Magnet Club, wo heute der Karreraklub zu Gast ist.

Sonntag. Die Nacht war kurz, doch der Vortrag mit der Fragestellung „Gibt es eine Ästhetik der Linken?“ klingt interessant und so laufe ich über die Karl-Marx-Alle und die Straße der Pariser Kommune zum Neuen Deutschland. In der Beschreibung von Hartmuts Lindemanns Vortrag heißt es:

Der Begriff „links“ hat verschiedene Wertungen durchgemacht. Wann bekommt der Begriff seine politische Trennschärfe, das heißt auf Eigenbewusstsein gestützte politische Wertigkeit? Was ist an „links“ ästhetisch? Ist mit linker Ästhetik ein Stil gemeint? Was wären die besonderen Merkmale der Stilmittel einer linken Ästhetik? Wie gestaltet sich in den Grenzen der visuellen Kommunikation aus den Alltagsansprüchen der Linken in Form von Politik, Kultur und Wirtschaft eine linke Ästhetik?

Antworten auf diese Fragen bleibt der Referent leider schuldig. Das Publikum kann dem hektischen und vergeistigten, mit Fremdwörtern gespickten Vortrag kaum folgen. Lindemanns Fazit, es gäbe dieser Tage keine linke Ästhetik, erschließt sich, wie in der kurzen Fragerunde klar wird, nicht jedem. Unbefriedigt bleibt das Auditorium zurück, während ich mich mit seinem Lobgesang auf Garamond besänftigen lasse.

Zeit für ein Mittags-Süppchen. Beim Soooochen nach der Linken Medienakademie wird unser Blog mittlerweile auf Seite 2 aufgeführt. Es geht voran.

Der Podcast-Workshop – Eine Bilanz

Wir bloggen live aus der Retrospektive vom Ende des Podcast-Workshops.

Zwischen dem lustigen Podcast-Selbstversuch und dem Hier und Jetzt liegen vier Bier und unzählige Zigaretten, die der Kersten nicht geraucht hat.

Deshalb verzichte ich auf unwichtige Einzelheiten und stelle fest: Unsere Aufgabe, uns um passende Musik zu kümmern, haben wir mit „Fatima Spar und die Freedom Fries“ stilsicher gelöst.

Gelernt haben wir in den sechs Stunden Workshop auch etwas: Das technische Equipment können wir uns als arme Studenten (Watt dann jetzt mit die Gebühren, Andrea?!?) zwar noch nicht leisten, doch die Hemmschwelle, ein Mikro in die Hand zu nehmen, ist gesunken und vielleicht hört ihr hier schon bald die zarten Stimmen der drei Karlshofjournalisten.