Vor ziemlich genau zwei Monaten kamen Menschen in unsere Wohnung und nahmen uns unsere Fenster. Das war gut so, denn sie waren äußerst verdreckt und so ersparte man uns das Putzen.
Die neuen Fenster fanden flux ihr Loch in der Wand, doch: Irgendetwas fehlte. Wohin mit dem kitschigen Souvenir aus Südfrankreich? Fensterbank? Fehlanzeige.
Stattdessen blickte ich jeden Tag auf das wunderschöne Innere der Stahlbetonwand. Mit ein bisschen Glück und dem richtigen Winkel schienen sogar ein paar Sonnenstrahlen am Fensterglas vorbei direkt zwischen Fensterrahmen und Wand auf mein Gesicht. Die fehlende Dichtung macht’s möglich.
Heute, zwei Monate später also, findet auch der innere Rahmen samt Fensterbank ins Zimmer.
Zurück bleiben Erstaunen und Verzweifeln ob dieser unmöglichen Baustelle Karlshof, die wir unser Zuhause nennen.
Nicht abgedichtete Fenster sind dabei leider nicht der Höhepunkt einer katastrophalen Organisation. Sie reihen sich ein in löchrige Wände, Asbestfusch und jede Menge Dreck.
Nun waren die Filmemacher von 13 Semester auch im Herzen der Studentenstadt Darmstadt: Im Karlshof.
Denn sie haben erkannt: „Lebensnah“ muss alles sein. Dass der Karlshof eine „sehr authentische Location“ ist, fassen wir hier mal mit gutem Willen als großes Kompliment auf.
Warum dann aber im gerade renovierten 6er-Bau? Der 10er-Bau wäre so viel authentischer gewesen.
Mehr über die Dreharbeiten zu 13 Semester im aktuellen darmspiegel!
Während unser Gang die Tradition der Mai-Wanderung durch die Weinreben der Bergstraße pflegt und mit viel Pausen und noch mehr Wein zum Feuerwehrfest pilgert, veröffentlicht die Chefetage den darmspiegel #2.
Wir waren wieder mit dabei – den kritischen oder begeisterten Blick überlassen wir deshalb lieber den Lesern. Brav downloaden und die beiden Covermodels Denise und Sven aus dem Karlshof bewundern!
Psst! Schon gehört? Heute ist der Tag gegen Lärm – oder etwas stylischer gesagt: The International Noise Awareness Day. Die Deutsche Gesellschaft für Akkustik (DEGA) ruft – und das ist doch bereits ein Widerspruch in sich – die Welt dazu auf, jeglichen Radau zu vermeiden. Doch der Karlshof ist dort, wo die Welt endet und so trampeln die Bauarbeiter auf ihren metallenen Laufstegen auf und ab, bohren, schweißen, brüllen. Und legen sie dann doch einmal ein Päuschen ein, zwitschern die Vögel ihren Unmut über den grauen April. Sachen gibt’s.
Heute nur Gourmet-Ravioli statt 5-Gänge-Menü für den verwöhnten Studentengaumen. Die dank einer Prise italienischer Kräuter durchaus schmackhafte Selbstkasteiung hatte berufliche Gründe: Die Blechbüchse ist einer der Stars in der nächsten Gazette eures Vertrauens. Beim Fotoshooting erwies sich das Döschen als echter Profi – perfekt im Spiel mit der Kamera.
Ein schöner Nebeneffekt: Der Magen ist ein wenig gefüllt und bereit für das große Karlshof-Einmaleins in der Oettinger Villa in einigen Stunden. Man sieht sich!
Kaum haben die ersten warmen Sonnenstrahlen die Glückshormone im Körper frei gesetzt, greift der Deutsche zu Eimer und Lappen und versucht krampfhaft der guten Laune Einhalt zu gebieten. Die Suche nach „Frühjahrsputz“ ergibt bei google 406.000 Treffer, knapp geschlagen von den „Frühlingsgefühlen“ mit 508.000 Treffern. Da es bei meinen Frühlingsgefühlen 406.000 Treffer weniger gab, schloss ich mich gestern dem WG-Frühjahrsputz an – sicherlich nicht unbedingt eine alte Karlshof-Tradition, wie dieses YouTube-Fundstück zeigt.
Ein ganzer Tag Geschrubbe und Geräume brachte schließlich so manche schmutzige Wahrheit ans Licht und unser Wohnzimmer zum Glänzen. Schaut doch bei den nächsten Sonnenstrahlen auch mal unter euer Sofa!
Heute hier, morgen dort. Viele Karlshofbewohner verstehen die Taktik der Bauleitung nicht.
Mal sind die Bauarbeiter an der einen, am nächsten Tag an der anderen Stelle.
Da tauchten die schrecklichen wie Spieße in die Luft gestreckten Stangen vor meinem Zimmer auf, wankten tagelang im Wind, um erst Wochen später zu einem Gerüst fertiggestellt zu werden.
An anderer Stelle, wurde schon einmal alles lichtdicht zugehängt, obwohl es erst viele Tage darauf notwendig gewesen wäre.
Vielleicht hat das auch alles seinen Sinn, überall neue Baustellen aufzumachen. Wie dem auch sei. Auf dem Weg von A nach B scheinen es die guten Asbestexperten wieder einmal eilig gehabt zu haben. Den sachdienlichen Hinweis in Photoform bekam ich heute von einem Blogleser. Danke dafür!
Abmahnungen hat es wegen der unsachgemäßen Asbestentfernung bereits gegeben. Sagt das Studentenwerk. Zufrieden kann man angesichts solcher Photos allerdings nicht sein.
Es gilt also weiterhin: Beobachtet das asbestöse Geschehen um euch herum und meldet es wenn nötig dem StuWe. Es geht um unser aller Gesundheit.
Wenn es einem um acht Uhr morgens so vorkommt, als sei es mitten in der Nacht, hat man entweder einen Jahrmartkt vor der Tür. Oder die Baustelle, auf der man lebt, hat mal wieder ein neues Gewand angezogen.
Lange Zeit hat sich nichts getan auf unserem Asbestexperimentierfeld. Jetzt steht auch vor unserer Tür (ja, wirklich. Sie öffnet nur noch zur Hälfte) ein Gerüst.
Heute morgen wurde unser Gang dann eingetütet. Mit duct tape befestigte Plane wandelt unseren Laubengang zum Tunnel.
Sieht irgendwer Licht am Ende?
„Die Wohnung putzt Du beinah stündlich,
und was Du tust, das tust Du gründlich.
Laß‘ and‘re ruhig sich lustig machen,
darüber kannst Du doch nur lachen!“
Lachen mussten auch wir. Dieses wunderliche Gedicht fand sich auf einer personalisierten Nicole-Tasse. Und diese Tasse wiederum war versteckt verschüttet in Isabells und meiner Abstellkammer.
Wir wissen nicht, wer Nicole ist.
Doch so viel ist sicher: Nicole wohnt schon lange nicht mehr hier. Wurde jemals im Karlshof Krieg geführt – hier war das Schlachtfeld. Deshalb haben wir diese Semesterferien genutzt, um uns, Archäologen gleich, auf die Suche längst vergessener Schätze zu begeben.
In vier Einkaufswagen haben wir das abtransportiert, was in einen bis zur Hälfte gefüllten 1,50 x 2 x 2 Meter-Raum passt. Neben nagelneuen Schuhen, geschmacksfreiem Dekogeschirr und etlichen eingetrockneten Farbdosen fand sich auch eine komplette PC-Garnitur. Isas Kommentar „Der hat ja nur ein Diskettenlaufwerk!“ lässt auf das historische Alter unserer Entdeckungen schließen.
Nach vier geschlagenen Stunden nahm ich dann das letzte Artefakt in die Hand. Eine Tasse.
Nicole, wir gedenken Deiner in Ehren.
Die Studiengebühren sind überwiesen. Die Frau aus Hessen mit dem Y ist leider noch nicht soweit, ihr Wahlversprechen einzulösen.
Deshalb sind es diesmal 709 Euro 50 pro Semester.
Doch mein Briefkasten bleibt leer. Vergeblich warte ich auf Studienbescheinigung, Semesterticket und Studienausweis.
Nun kann ich mir nicht vorstellen, dass unsere Briefträger vor lauter Traurigkeit über das frühe Ausscheiden ihres Zumwinkels das Zustellen vergessen haben.
Aber an den etwas eigentümlichen Briefkastenverhältnissen im Karlshof müssen auch die motiviertesten Damen und Herren in Gelb von Zeit zu Zeit scheitern: „Wenn unzustellbar zurück“. Diese Aufforderung funktioniert im Karlshof leider nicht. Oft stimmen Namensschild und tatsächliche Bewohner nicht überein. Zu groß ist die Fluktuation in diesem Wohnheim. Im Zweifelsfall geht der Brief also nicht an den Absender zurück. Er wird einfach oben auf den Briefkasten gelegt.
Und wenn man so manchen Briefkasten sieht, stellt sich die Frage, wieviele Inkassoverfahren schon zu Unrecht eingeleitet wurden.
Vielmehr graut es mir aber vor der Verwaltung der h_da. Deren EDV hat mich schon einmal fast das Studium gekostet. Damals ging auch kein Brief bei mir zuhause ein. Da ich unter einer falschen Matrikelnummer eingetragen wurde, konnte mein Geldeingang nie verzeichnet werden. So wäre ich irgendwann wieder automatisch exmatrikuliert worden.
Denn – und da schielen wir nochmal auf die Regierungsbildung in Hessen – kein Geld: Kein Studium.


