Einsam?

Nachts in Darmstadt, Darmstadt bei Nacht – wie man es dreht und wendet, es scheint nichts los zu sein, in dieser Stadt. Oder vielleicht, doch? Da, um die Ecke? Eine Bestandsaufnahme Darmstädter Nächtlinge. Dass das nur die halbe Wahrheit ist, steht ab Juli zu lesen. Hier. Und im Handel.

In Co-Produktion mit Johanna Emge.

„nachts in darmstadt“

20090801nachts-cover

Der Grund unser aller Stille hier hat gleich mehrere Ursachen. So lange haben wir nichts mehr von uns hören lassen, dass ein ganzes Magazin, ein über 200 Seiten starkes Buch und ein zwei Umzüge in diese stille Zeitspanne passen.

Das Studentenmagazin darmspiegel fand im April 2009 seine Jubiläums- und zugleich auch letzte Ausgabe – nach zuletzt sogar fünf erfolgreichen Printausgaben. Es war die Routine, die uns dazu motiviert hat, dieses erste und niemals bereute Sprungbrett weiterzudenken.

Am selben Tag, an dem wir das Projekt darmspiegel ad acta legten, beförderten wir eine ganze Fülle an neuen Themen aus den Tiefen unserer Ideen ans Tageslicht. Und knippsten das Licht zugleich aus. Zunächst an eine Sonderausgabe zur Nacht in Darmstadt gedacht, merkten wir recht bald, dass „nachts in darmstadt“ mehr ist. Es könnte die Seiten eines ganzen Buches füllen, ja es musste!

„nachts in darmstadt“ ist genau das geworden: 224 Seiten, UV-Lack und Prägung, mit wunderschönen Reportagen, Fotostrecken, Lyrik, Portraits, Interviews und Illustrationen – ein „wahres Buchkunstwerk“, wie etwa die FAZ resümiert.

Natürlich, und das bleibt nicht aus, denn auch ich bin Gesellschafter unseres kleinen, aber feinen Verlages, kann man dieses Werk auch erwerben: Unter shop.darmspiegel.de ist das möglich, aber auch bei vielen freundlichen Buchhandlungen in und um Darmstadt.

Noch ein kurzes Wort zu dieser Seite. Nach zwei aufreibenden Projekten, zollen wir nun alle dem berufspraktischen Semester den vollen wohlverdienten Tribut und wagen einen weiteren Schritt in die harte Realität des Arbeitens (so unbekannt ist sie uns ja doch nicht).

Während es Caspar, musikberufen, zur Visions nach Dortmund zieht, verlagern Tobi und ich unsere journalistischen Kompetenzen für eine gewisse Zeit nach Berlin. Tobi hospitiert in der Online-Redaktion der ZEIT, ich für meinen Teil bin in der Gründerszene unterwegs. Diese Seite wird und soll künftig als kleine Portfolio-Werkschau dienen und nicht zuletzt uns drei zumindest online zusammenhalten.

Das Ende der Nacht

Das Ende der Nacht 1

Das Ende der Nacht 2
Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.
Und Gott sah das Licht, dass es gut war;
und Gott schied das Licht von der Finsternis.
Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht.
Und es ward Abend und es ward Morgen.

Moses 1, 1-5, Luther-Übersetzung

Es gab eine Zeit, da gingen die Menschen mit den Hühnern schlafen und erwachten mit dem ersten Hahnenschrei. Sie lebten nach der Natur – Natur, geschaffen von Gott. Nur sie und einige kirchliche Rituale bestimmten über Tag und Nacht. Niemand durfte diese Ordnung ändern. Gott war der Besitzer der Zeit.
Um 1350, mit der Erfindung der mechanischen Uhr, begann der Mensch selbst über die Zeit zu bestimmen. Kerzen, Feuer und schließlich elektrisches Licht ließen ihn Hahn und Hühner vergessen.

Was Gott im Wortlaut der Genesis einst schied, hat der Mensch längst wieder zusammengeführt. Er hat die Nacht zum Tag gemacht. Heute, im 21. Jahrhundert, sind wir 24 Stunden erreichbar; wir fahren im Nachtzug nach Lissabon und trainieren in 24-Stunden-Fitnessstudios; wir schauen Nachtprogramm und saufen in Nachtlokalen bis morgens um vier; wir shoppen rund um die Uhr, schieben Nachtschichten. Die Bänder in den Fabriken stehen niemals still. Stille Nacht, heilige Nacht – alles schläft, keiner wacht: Vergangenheit.
Die Nacht ist, was dem Menschen zu kolonisieren blieb, als alle Welt schon besiedelt war. Stunde um Stunde hat er sie erobert wie Länder und Kontinente. Die Nacht – ein neuer Lebensraum?
1956 wurde in der Bundesrepublik Deutschland das „Gesetz über den Ladenschluss“ verabschiedet. Geschäfte durften montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr 30 und samstags bis 14 Uhr geöffnet sein; ausgenommen waren Tankstellen, Kioske, Bahnhofsgeschäfte, Apotheken und Gaststätten. Das ist vorbei: Langer Donnerstag, langer Samstag – Stück für Stück wurden diese Öffnungszeiten erweitert.
Mit der Föderalismusreform 2006 wurde der Ladenschluss Ländersache. In Hessen und acht weiteren Bundesländern gilt nun die 6×24-Regelung: unbegrenzte Öffnungszeit an Werktagen.
Einst waren Abend und Nacht der Geselligkeit vorbehalten. Heute ist selbst ein gemeinsames Abendessen in vielen Familien zur Seltenheit geworden. Flexibilisierung von Arbeitszeiten und liberale Ladenschlussgesetze haben ihre Schattenseiten.

Gedenke des Sabbattags, dass Du ihn heiligst. Sechs Tage sollst Du arbeiten
und all deine Dinge beschicken; aber am siebten Tage ist der Sabbat des
Herrn, Deines Gottes; da sollst Du kein Werk tun noch Dein Sohn noch
Deine Tochter noch Dein Knecht noch Deine Magd noch Dein Vieh noch der
Fremdling, der in Deinen Toren ist.

Moses 20, 8-10, Luther-Übersetzung

Die Crux: Die Betroffenen der Ausdehnung – Arbeiter, Angestellte, Erwerbstätige – sind gleichzeitig ihre Verursacher. Sie wollen Kultur und Unterhaltung, Lieferpizza und Nachrichten, auch spät in der Nacht. Die Lust am Vergnügen treibt die Menschen unters Sternenzelt. Die Nacht, die neu gewonnene Freiheit, möchten sie auskosten. Konsumieren, Reisen, Erleben – nach einer ganz individuellen Zeitgestaltung. Die Möglichkeiten der Non-Stop-Gesellschaft sind attraktiv und scheinbar grenzenlos.
Und? Ist das schlimm? Spricht etwas dagegen, die Nacht zum Tag zu machen? Vielleicht die Biologie? Unsere innere Uhr? Ist der Schlaf des Homo sapiens – seines Zeichens Vielschläfer – tatsächlich an die Sonne gebunden? „Suchst du etwas Kluges, so bedenke es in der Nacht“, riet der vorsokratische Philosoph, Komödienschreiber, Arzt und Naturforscher Epicharmos. Die Nacht, das ist der letzte Rest Privatleben, der uns geblieben ist. Nachts sind wir nur ungern allein, aber doch ganz bei uns. Die Schlafzimmertür bleibt in der Regel auch für enge Freunde verschlossen. Aber auch hier brechen die Medien ein: Schwarzweiß-Bilder von Nachtsichtkameras zeigen schlafende Bewohner im
Big-Brother-Haus – ein Tabubruch.

Die Nacht ist die Zeit der Randgruppen: der Unterdrückten, der Verachteten, der Gefürchteten. Die Nacht ist ein Gleichmacher; nachts sind alle Katzen grau. Der Darmstädter Philosophie-Professor Alfred Kessler sagt: „Die taghellen Nächte der Herren waren auch ein Diebstahl an der Nacht der Mägde und Knechte. Die Nacht ist notwendig, unabwendbar notwendig für diejenigen, deren Leben nur im Nachtschatten der Gesellschaft lebbar ist. Auch heute. Ich glaube, dass, lange bevor die Privilegierten die Nacht zum Tag gemacht haben, die Mägde und Knechte darauf angewiesen waren, die Nacht zu nutzen, den Augenblick, in dem der Herr sinnlos betrunken nicht mehr Herr ist.“

Was also hat der Mensch kolonisiert? Neu erobert wurde kein Lebensraum. Ein Lebensraum war die Nacht schon immer. Ein vermarktbarer Raum wurde vereinnahmt. Ein Feldzug, nicht aus edelsten Motiven. Was den Menschen trieb im Kampf gegen Dunkelheit, Öffnungszeiten und Sternenhimmel waren nicht Neugier, Mythen, Geister und Dämonen, sondern das Streben nach Profit. Zeit ist Geld – und die Konkurrenz schläft nicht, hat uns die Moderne gelehrt. Und so darf das Kapital auch in der Nacht nicht ruhen. „Die Uhr“, sagt Zeitforscher Karlheinz A. Geißler, „ist schuld an der Erfindung des Kapitalismus.“ Und nun raubt er, der alte Schlawiner, uns den Schlaf, die Nacht, im Eigentlichen: die Intimität schlechthin. Termine, Termine, Termine. Wir haben Angst, den Anschluss zu verlieren, irgendetwas zu verpassen. In der säkularisierten Gesellschaft sind Tempo und Zeiteffizienz zum Ersatz für das ewige Leben geworden. Am Ende der Nacht wartet Schlafes Bruder – der Tod. Neonlicht, Nachtclubs, 24-Stunden-Tankstellen – Waffen im Kampf gegen die Nacht. Gegen die Vergänglichkeit. Wer die Nacht erobert, glaubt Macht über den Tod zu gewinnen. „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“, sagte der rastlose Filmemacher Rainer Werner Fassbinder einst.
Doch mit der Zeit verhält es sich wie mit der Energie. Der Energieerhaltungssatz besagt: Energie geht nie verloren, sie ändert nur ihre Form. Die Freiheit, rund um die Uhr konsumieren zu können, haben wir teuer bezahlt – wir opferten gemeinsame Abendessen, gemeinsame Zeit, einen gesunden Schlafrhythmus. Wenn eine Gesellschaft zu unterschiedlichen Zeiten im Schichtdienst arbeiten muss, kann sie sich nicht mehr begegnen. Das aber ist eine Voraussetzung dafür, dass sich eine gemeinsame Kultur überhaupt entwickelt. Wir haben bezahlt mit Burnout und Depressionen, den Berufskrankheiten des 21. Jahrhunderts. Bezahlt mit Unfällen, Flugzeugabstürzen, Produktionsfehlern – verursacht durch zu lange Arbeitszeiten und Nachtarbeit.

Wir haben Grenzen abgeschafft; wähnten, die große Freiheit gewonnen zu haben. Das Ende der Nacht ist zugleich Symptom und Metapher. Wir leben in einem Wirtschaftssystem, das auf grenzenloses Wachstum setzt, in einer Welt, die nicht grenzenlos ist. In ein paar Jahrzehnten, so die Prognosen, leben neun Milliarden Menschen auf der Erde. Die utopische Vorstellung, dass all diese Menschen ein Auto besitzen, ist beängstigend. Doch eine weltweite Staatengemeinschaft, eine globalisierte Welt konsequent weitergedacht, erfordert einen sozialen Ausgleich zwischen den Mitgliedern dieser Gemeinschaft: Arme Länder müssen reicher – reiche Länder ärmer werden. Bis schließlich ein für Mensch und Umwelt akzeptables Level gefunden ist. Die Ressourcen sind begrenzt, Krieg scheint die einzige Alternative.
Negatives Wachstum? Eine Angleichung der weltweiten Lebensverhältnisse auf ein vernünftiges Maß? Bescheidenheit? Rücksicht? Zufriedenheit? – alles nur linke Parolen? Es ist der Traum von einer besseren Welt. Doch um zu träumen, muss man schlafen!

Die Nacht ist ein Lebensraum, sie ist ein Kulturgut, mehr als ein vermarktbarer Raum, die Nacht ist schützenswert. Was haben wir mit dem Ende der Nacht gewonnen? Was haben wir verloren? Ist eine Nonstop-Gesellschaft wirklich frei? Ehe wir die Nacht zum Tag machen, sollten wir über diese Fragen eine Nacht schlafen. „Sie haben die Macht, wir haben die Nacht“ – falls wir nicht gerade arbeiten müssen.

Dunkel war’s, die Stadt schien helle

20090802_darmstadtsdach-9579Als die Darmstädter Kulturgesellschaft an diesem winterlichen Abend nach einer Galavorstellung das Theater verlässt, schaut sie auf etwas nie zuvor Gewesenes. Doch ist nicht besonders was – sondern dass sie sieht. Darmstadts Zentrum scheint lichtdurchflutet, so hell war es noch nie. Im „klarsten, fast tageshellen Licht“ erstrahlen Theater- und Paradeplatz, der Markt und die Rheinstraße. Am Portal des Theaters erglänzen „die grandiosen Namenszüge Ihrer Königlichen Hoheit des Großherzogs und der Großherzogin mit der Krone in prachtvollen Gasflammen“, schreibt das Darmstädter Tagblatt. Es ist der 14. März 1855. Bis dahin leuchteten Petroleumlampen über öffentlichen Plätzen, Brunnen und Straßen. Jetzt aber sind es 220 Gaslaternen – pünktlich zum Namenstag der Großherzogin Mathilde. Im 21. Jahrhundert ist das längst kein Grund zum Feiern mehr. Gut 15 000 Lampen erhellen heute die Nacht, von Wixhausen bis Eberstadt. Doch das Licht ist getrübt. Die wenigsten haben bisher erkannt, dass die Nacht schon lange nicht mehr Nacht ist. Diejenigen, die es bemerkt haben, sprechen längst von Lichtverschmutzung. Gemeint ist die Verunreinigung durch Licht, und nicht etwa des Lichtes selbst.

Total verstrahlt
An manchen Stellen ist Darmstadt so sehr erleuchtet, dass man nicht einmal mehr die Sterne erkennt. „Wer heute noch die Milchstraße sehen will, muss raus aus der Stadt“, sagt Gunnar Glitscher von der Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik Darmstadt. Seit Ende der 60 er Jahre schaut Glitscher schon in den Nachthimmel. Die Situation in Großstädten war für Amateur-Astronomen wie ihn schon früher nicht sehr gut. Mit neu angelegten Baugebieten und der Ausleuchtung jedes noch so kleinen Weges wurde die Lage immer gravierender. Zum Sterneschauen gehen Glitscher und seine Vereinsfreunde bis weit vor die Tore der Stadt, auf den Wiesenparkplatz des Mühltalbads in Eberstadt. Vollkommene Dunkelheit herrscht aber selbst hier nicht: „Die Stadtbeleuchtung aus Darmstadt strahlt herüber“, sagt Glitscher. „Wenn man nach Norden schaut, ist der Himmel schrecklich hell. Im Süden, in Richtung Odenwald, ist es viel dunkler.“ Dabei ließe sich ein Großteil der falschen Beleuchtung verhindern. „Die meisten Straßenlampen strahlen auch seitlich und nach oben hin ab. Dort fängt sich das Licht in Partikeln der Atmosphäre und wird zur Erde zurück geschickt“, erklärt Glitscher. Fahrlässig seien jene Bodenleuchten, die vorzugsweise Bäume von unten anstrahlen – bei fehlendem Laub im Herbst und Winter schießt das Licht direkt in den Himmel.

Der weiße Tod
Doch nicht allein der Ausfallwinkel des Lichts ist das Problem. „Licht ist nicht gleich Licht“, weiß Sibylle Winkel, Biologin beim Naturschutzbund Hessen. Schon Mitte der 90er Jahre hat sie sich für eine umweltfreundliche Außenbeleuchtung eingesetzt. Ihr geht es vornehmlich um den Schutz nachtaktiver Insekten: „Es kommt auf den Spektralbereich an. Die Wahrnehmung von Insekten geht weit über die des Menschen hinaus, Insekten können auch lang- und kurzwelliges Licht sehr gut erkennen.“
Die größte Todesfalle: die Quecksilberdampfhochdrucklampe. Genauso monströs wie ihr Name ist auch ihre Auswirkung auf die Tiere. Im grellweißen Licht sterben laut einer Studie der Universität
Mainz in einer einzigen Sommernacht rund 150 Insekten – an nur einer Leuchte. Keine Lösung, aber eine Verbesserung, seien Natriumdampflampen. Mit ihrem typischen gelben Licht fordern sie über 60 Prozent weniger Opfer. Biologin Winkel hat den Einsatz der Natriumlampen in ihrer finanziell stets klammen Heimatstadt Offenbach noch mit einem anderen Argument durchgesetzt: „Nicht nur die Umweltschädlichkeit geht zurück – auch die Energieausbeute steigt.“

Quecksilbrige Stromfresser
„Wir haben schon mehr als die Hälfte der Lampen ausgetauscht, 3800Quecksilberlampen gibt es noch“, sagt Peter Funk, technischer Angestellter beim hiesigen Tiefbauamt. Funk und seine Kollegen sind sensibilisiert für das Thema Lichtverschmutzung und wissen: „Nicht jeder gestalterische Wille ist auch effizient.“ So würden Bodenstrahler sparsam eingesetzt und etwa im Herrngarten nur zu besonderen Anlässen wie dem Heinerfest eingeschaltet. Gesetzliche Vorgaben gibt es keine: „Das machen wir uns selbst zur Auflage.“ Die öffentliche Beleuchtung kostet die Stadt Darmstadt 17 Euro pro Jahr und Lampe an Strom- und Wartungskosten. Hochgerechnet sind das 255 000 Euro für die 15 000 Lampen im gesamten Stadtgebiet. Deutschlandweit macht die Beleuchtung von Straßen, Plätzen und Brücken zehn Prozent des gesamten Stromverbrauchs in der Republik aus.
Doch selbst Natriumdampflampen sind technisch bereits überholt. Die Zukunft wird in Arheilgen getestet. Dort hat der Fachbereich Lichttechnik der Technischen Universität die Grillparzerstraße mit verschiedenen LED-Lampen bestückt. Neben dem Energieverbrauch interessiert die Forscher auch das Ambiente der neuartigen Lampen.„Alle Probanden, vor allem aber ältere Personen, empfinden die LEDLampen als angenehmer“, sagt Diplomingenieur Christoph Schiller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich. Schon im Jahr 2012 solle die LED-Technik auf Deutschlands Straßen ankommen. Spätestens im Jahr 2015 müssen die Kommunen den Quecksilberlampen ohnehin abgesagt haben. So will es eine EU-Richtlinie.

Beamer in the Sky
Nicht betroffen von den Auflagen aus Brüssel sind jene Lichtgespenster, die man häufig auf Discos sieht: Skybeamer. Ihr Lichtkegel hat eine Reichweite von bis zu 40 Kilometern, vor allem für Zugvögel eine Gefahr. „Weil im Herbst das Licht der Skybeamer über ihnen an der Wolkendecke reflektiert, verlieren die Vögel ihre Orientierung“, sagt Biologin Winkel. Zur Jahrtausendwende erreichte sie ein freiwilliges Abkommen zwischen dem hessischen Umweltministerium und dem Gaststätten- und Hotelverband, die Skybeamer zumindest in den Hauptzeiten des Vogelzugs – Oktober und November – abzuschalten.
Einen weitaus rigoroseren Weg ging vor einigen Jahren der Darmstädter Raumfahrtingenieur und Amateurastronom Rainer Kresken. Er klagte gegen den Einsatz von Skybeamern vor Gericht: „Skybeamer sind Werbeanlagen – und da gibt es genaue Vorschriften“, sagt Kresken und erreichte so das Aus einer Scheinwerferanlage im Odenwald. Doch für Kresken ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein: „Innerhalb Darmstadts kann man kaum noch gescheite Beobachtungen machen.“ So habe er sich gar nicht erst den Astronomen auf der Ludwigshöhe zugewandt, sondern fahre für seine Beobachtungen zur Starkenburg-Sternwarte Heppenheim, deren Vorsitzender er mittlerweile ist.

Doch was tun?
Das Licht der gesamten Stadt abschalten? Schon einmal haben Darmstadts Bürger so ihrem Protest gegen die Beleuchtung Ausdruck verliehen: Im Februar 1928 führte die Darmstädter Geschäftswelt einen Lichtstreik durch und schaltete sämtliche nichtöffentliche Beleuchtung aus – damals aber gegen die unzulängliche Straßenbeleuchtung und für mehr Licht in Darmstadts Zentrum. Gunnar Glitscher würde das gerne wiederholen, allein um in der Bevölkerung ein Bewusstsein für das Zuviel an Licht zu schaffen. Er plant indes, eigens einen Verein zu gründen und im Rahmen von Nachtbegehungen auf schlechtes oder gar unnützes Licht aufmerksam zu machen: „Die Beleuchtung am Langen Ludwig ist ja romantisch – aber 80 Prozent gehen einfach in den Himmel. Das könnte man doch besser machen.“

Freecard „nachts in darmstadt“

Mit freundlicher Unterstützung des Art Directors des darmspiegel, Andreas Strack, entstand diese Freecard, mit der wir Darmstadt auf das Buch und die Lesung „nachts in darmstadt“ aufmerksam machten. Die alte Dame auf dem Foto ist Ankes Oma. Das Foto stammt aus der Fotostrecke „Erwischt!“ von Anja Behrens, ebenfalls erschienen in „nachts in darmstadt“.

Freecard1

Freecard2

Zucker

Das Zucker in der Liebfrauenstraße 66 ist ein sympathisches Ladenprojekt. Mit gut designten Produkten hat sich es sich das Zucker zur Aufgabe gemacht, Darmstadt bunter und schöner zu machen. Das Zucker war Kooperationspartner von „nachts in darmstadt“. Das Video entstand im Rahmen des Videokurses im Sommersemester 09.