<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>unterdrei &#187; RMV</title>
	<atom:link href="http://unterdrei.net/tag/rmv/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://unterdrei.net</link>
	<description>Von 2007 bis 2009 war dies das gemeinsame Blog und Portfolio dreier Online-Journalismus-Studenten zu Netz, Print und Crossmedia.</description>
	<lastBuildDate>Mon, 11 Apr 2011 17:29:21 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.1.1</generator>
		<item>
		<title>Immer wieder Endstation</title>
		<link>http://unterdrei.net/2008/05/immer-wieder-endstation-2/</link>
		<comments>http://unterdrei.net/2008/05/immer-wieder-endstation-2/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 01 May 2008 09:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kersten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portfolio]]></category>
		<category><![CDATA[Text]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitswelten]]></category>
		<category><![CDATA[Bus]]></category>
		<category><![CDATA[darmspiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Darmstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[RMV]]></category>
		<category><![CDATA[Stadt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://unterdrei.net/?p=336</guid>
		<description><![CDATA[Pietro f&#228;hrt acht Stunden Bus und verl&#228;sst doch nie die Grenzen seiner Stadt. Als Busfahrer ist er von bis zu 150 Menschen umgeben und trotzdem immer allein. „In ein paar Jahren gibt es keine Busfahrer mehr. Dann fahren nur noch Roboter.“ Der etwa zw&#246;lf Jahre alte Junge schaut seinen j&#252;ngeren Bruder bedeutungsvoll an. Dann muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-156" style="margin-bottom: 5px;" title="darmspiegel200805_reportage-3_2" src="http://unterdrei.net/blog/wp-content/uploads/2009/04/darmspiegel200805_reportage-3_2.jpg" alt="darmspiegel200805_reportage-3_2" width="580" height="316" /><strong>Pietro f&#228;hrt acht Stunden Bus und verl&#228;sst doch nie die Grenzen seiner Stadt. Als Busfahrer ist er von bis zu 150 Menschen umgeben und trotzdem immer allein.</strong><span id="more-336"></span></p>
<p>„In ein paar Jahren gibt es keine Busfahrer mehr. Dann fahren nur noch Roboter.“ Der etwa zw&#246;lf Jahre alte Junge schaut seinen j&#252;ngeren Bruder bedeutungsvoll an. Dann muss er doch &#252;ber seine Theorie lachen. „Dass es genug Menschen gibt, die ihn wirklich wie einen Roboter behandeln, l&#228;sst Pietro sich nicht anmerken.“</p>
<p>Dicht gedr&#228;ngt stehen die beiden neben der Fahrerkabine, schauen neugierig auf das Armaturenbrett und warten auf eine Reaktion. Doch Pietro, der Busfahrer, sagt nichts. Freundlich aber unaufgeregt erkl&#228;rt er den beiden interessierten Jungen die verschiedenen Schalter und Anzeigen. Dass es genug Menschen gibt, die ihn wirklich wie einen Roboter behandeln, l&#228;sst er sich nicht anmerken.</p>
<p>Pietro ist Ende 40 und tr&#228;gt eine Brille. Er hat braune, leicht gelockte Haare und einen kleinen Bauchansatz. Unter dem anthrazitfarbenen Dienstpullover mit dem eingestickten roten HEAG-Logo tr&#228;gt er ein wei&#223;es, aufgekn&#246;pftes Hemd, aber keine Krawatte. Die rechte Hand auf dem Lenkrad, schaut ein mattgoldenes Armband unter dem &#196;rmel hervor. Die linke Hand ruht unt&#228;tig auf der schwarzen, ausgewaschenen Hose.</p>
<p>Vielleicht hei&#223;t er auch gar nicht Pietro, sondern Lorenzo oder Antonio. Er sagt, dass er Italiener ist, seinen Namen m&#246;chte er nicht nennen. Sein Arbeitgeber hat ihm verboten, mit Journalisten zu sprechen. Er redet ohnehin nicht viel.</p>
<p>Die meisten Leute benutzen eine der drei hinteren T&#252;ren, um in den Fahrgastraum zu gelangen. Die wenigen, die vorne einsteigen, hasten schnell an ihm vorbei. Nur wer eine Fahrkarte kaufen muss, bleibt kurz bei ihm stehen. Meist stumm kramt derjenige dann in seinem Portemonnaie. Niemand w&#252;nscht ihm einen guten Tag, kaum einer bedankt sich. Auf dem Weg von A nach B ist Pietro Teil einer Maschine.</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-158" title="darmspiegel200805_reportage-1" src="http://unterdrei.net/blog/wp-content/uploads/2009/04/darmspiegel200805_reportage-1.jpg" alt="darmspiegel200805_reportage-1" width="240" height="810" align="right" /><strong>Sieben Minuten Toilettenpause </strong></p>
<p>Unz&#228;hlige Male dr&#252;ckt er ohne hinzusehen zwei rot leuchtende, abgenutzte Kn&#246;pfe. Von hinten h&#246;rt man dann einen qu&#228;kigen Signalton, das Zischen der Hydraulik und schlie&#223;lich das Einrasten der T&#252;ren. Der leicht zum Bordstein geneigte Wagen hebt sich wieder in die Waagerechte und beschleunigt.</p>
<p>Um 16 Uhr vier hat Pietros Schicht in Darmstadts Zentrum, am Luisenplatz, begonnen. Bis 0 Uhr 34 wird er auf der Linie F zwischen den beiden Endhaltestellen Haasstra&#223;e und Oberwaldhaus hin- und herfahren. „Ganz einfach“, sagt Pietro, „vier Runden, dann halbe Stunde Pause, dann wieder vier Runden. Eine Runde ist eine Stunde.“</p>
<p>Dazwischen liegen jeweils 32 Haltestellen. Acht Stunden lang ert&#246;nt alle drei&#223;ig Minuten die Ansage im Innenraum: „Endstation“. Immer wieder „Endstation“.</p>
<p>Wenn alles gut l&#228;uft, hat man am Oberwaldhaus sieben Minuten Pause. Diesmal sogar mehr: „Wir sind eine halbe Minute zu fr&#252;h dran. Jetzt ist Toilettenzeit.“ Pietro lacht und wackelt dabei hin und her auf dem gefederten Sitz. Dann fingert er einen gro&#223;en Schl&#252;sselbund aus seiner Jacke heraus und begibt sich nach drau&#223;en. Direkt neben der Haltestelle steht ein blauer Kasten. Auf dem verwitterten Rand steht in grau-wei&#223;er Schrift „Toilettenbox“.</p>
<p><strong>„Keine Lust mehr“ </strong><br />
„Die Linie F ist die beste Linie“, sagt Pietro, „dahast du keine Zeit, zu rauchen.“ Seit &#252;ber einem Jahr raucht Pietro nicht mehr. Davor waren es drei Schachteln am Tag.</p>
<p>Luisenplatz, 23 Uhr 15. Noch &#252;ber eine Stunde bis Schichtende. Zum ersten Mal in dieser Nacht lehnt er sich mit nach vorne gestreckten Armen &#252;ber dasgro&#223;e Lenkrad, als wolle er es umarmen. Sein Blick ist starr. Seine Augen wirken nicht m&#252;de, nur leer. In seiner Brille spiegelt sich das orangefarbene Blinklicht des vorderen Busses.</p>
<p>Acht Haltestellen weiter wieder Oberwaldhaus. Wieder Endstation. Er schaltet den Motor ab, dreht sich um und sagt: „Keine Lust mehr. N&#228;chste Woche um diese Zeit bin ich weg.“ Drei Wochen Italien g&#246;nnter sich. Die 1000-Kilometer-Strecke in seine Heimat f&#228;hrt er alleine in seinem alten Opel Calibra. Dann kann er wieder Schaltgetriebe fahren, und sein linkes Bein trainieren, das ihm beim Busfahren besonders schmerzt. „Beim Automatikgetriebe hat das linke Bein nichts zu tun. Das kann man auch abschneiden.“</p>
<p>Schmerzen hat Pietro auch im R&#252;cken. Das st&#228;ndige Sitzen und Fahren auf holpriger Stra&#223;e geht auf Kosten der Bandscheiben. „Den Job kannst du vielleicht 20 Jahre lang machen, dann landest du im Rollstuhl.“</p>
<p><strong>20-Stunden-Schicht. Nonstop. </strong></p>
<p>Seit &#252;ber acht Jahren f&#228;hrt Pietro nun Bus. Davor war er LKW-Fahrer. Nach Deutschland hat ihn sein Onkel geholt. „Ich habe gesagt, ich schaue es mir mal f&#252;r einen Monat an.“ Aus dem Monat wurden 20 oder 22 Jahre. So genau wei&#223; er das nicht mehr.</p>
<p>„F&#252;r immer werde ich das nicht machen“, sagt er und h&#228;lt einen Moment lang inne. Schweigend schaut er in das kalte Licht der Stra&#223;enlaterne. „Aber irgendwas muss man ja tun.“ Au&#223;erdem sei die HEAG der beste Arbeitgeber, sagt Pietro. Im Gegensatz zu den Kleinunternehmern: „Da musst du 20 Stunden fahren. Nonstop. Wer das nicht will, fliegt raus. Das kontrolliert niemand.“</p>
<p>Die letzte Runde, kurz nach Mitternacht. Der letzte Fahrgast steigt aus und sagt zu Pietro gewandt: „Gute<br />
Nacht!“ Pietro freut sich, aber m&#252;de ist er nicht. „Ich kann leider nicht sofort einschlafen. Also werde ich<br />
noch vor dem Fernseher liegen. Um drei Uhr schlafe ich dann vielleicht.“ Zehn Stunden sp&#228;ter beginnt Pietros n&#228;chste Schicht.</p>
<p>Illustrationen: Tobias Reitz</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://unterdrei.net/2008/05/immer-wieder-endstation-2/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

