Papst, Pilger, Politiker: Presseschau

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Papst, Pilger, Politiker – die Presseschau für das gleichnamige Seminar bei Prof. Peter Seeger im Studiengang Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt im Sommersemester 2009. Erstellt von Michael Caspar und Kersten A. Riechers. Die komplette Präsentation für unsere Seminarteilnehmer (vom 18. Mai) gibt es hier.

Übrigens: Wie schon im letzten Semester hatten Caspar und ich so viel Freude und Aha-Erlebnisse, dass wir uns vornehmen wollen, nun öfter – besser: regelmäßig – zusammen zu kommen, um gemeinsam die Woche in der Presse Revue passieren zu lassen. Das ganze Wohnzimmer bedeckt mit Zeitungen, dazu Kaffee und zwischendurch immer wieder gute Unterredungen.

Wem geht es ähnlich, wer will das auch, wer ist dabei?

Studiengebühren: Alles inszeniert?

Die Freude hielt genau einen Tag. Der Tobi saß gerade vor dem dpa-Ticker, als die unfrohe Kunde herein kam. Mittlerweile wissen es längst alle: Koch will nicht unterschreiben.

Formfehler. Formfehler?!

Es ist doch kein Wunder, dass die Leute keine Lust mehr auf Politik haben. Und ich rede nicht davon, dass die Unfähigkeit, ein Gesetz richtig zu formulieren, politikverdrossen macht.

Unfähigkeit: Ja. Aber in diesem Ausmaß? Ganz ehrlich: Das glaube ich nicht. Nicht bei so einem heiklen und kontrovers diskutierten Thema. Da rutscht nicht einfach mal beim Kopieren die wichtigste Zeile weg. Hoppla.

Für mich riecht das alles nach Inszenierung. Die SPD wollte ihr längst ruiniertes Gesicht wahren und Hessen schon einmal auf die Tolerierung durch die Linken einstimmen. Also schnell noch vor Bekanntgabe des Urteils über die Verfassungsklage selbst was erreichen, das die Wähler toll finden können.

Mit der CDU war man sich indes wahrscheinlich einig, dass das mit den 23 respektive 92 Millionen ein bisschen viel sei. Koch ist eh bereits der Buhmann. Also darf der dann am nächsten Tag verkünden, das Gesetz sei aufgrund eines Formfehlers nicht zu unterschreiben.

Kurz vor der Sommerpause wird man noch ein bisschen diskutieren und im kommenden Wintersemester hat das Kollektivgedächtnis die Berichterstattung der Medien längst alles vergessen.

Die SPD spielt ein bisschen Empörung, das Land Hessen behält sein Geld und alle sind glücklich.

Na, dann gehen wir mal wieder auf die Straße.

Tag des Wissenschaftsjournalismus

Tag der offenen Studiumstür: Unsere Kommilitonen und Profs vom Wissenschaftsjournalismus veranstalten am 2. Juli 2008 ihren ersten Tag des Wissenschaftsjournalismus.

Falls zu unseren Lesern auch Studieninteressierte gehören (man weiß ja nie), sei gesagt, dass dies sicherlich eine gute Gelegenheit ist, den Campus, das Studium und die Menschen dahinter kennenzulernen.

Auch für (künftige) Online-Journalisten wird es sicher interessant, wenn über Blogging und podcasts gesprochen wird.

Für Studenten ist die Veranstaltung kostenlos, ebenso für Studieninteressierte mit studentischem Geldbeutel.

Noch schönere und pr-alike formulierte Infos gibt es bei Thomas Pleil. Anmelden kann man sich per E-Mail oder über ning. Ich selbst werde auch dabei sein.

Studiengebühren in Hessen abgeschafft!

Keine Studiengebühren mehr!

Sprachlos

Die Diskussion schwirrt nun schon seit einigen Wochen durch die Blogosphäre, aber ich habe mich nun doch entschieden, auch an dieser Stelle darauf hinzuweisen:

Die Rede ist von der Sprachlosigkeit. Genauer: Vom zögerlichen bis nicht stattfindenden Kommentieren in Blogs.

Da dieses Thema bereits an anderer Stelle vielseitig (aber wahrscheinlich dennoch nicht erschöpfend) beleuchtet wurde, hier nur eine lose Linksammlung.

InRobert Basics Liste der Demotivation habe ich mich an vielen Stellen wiedererkannt, auf Daniels Erfahrungen habe ich dann auch selbst etwas kommentiert (sic!) und mein Prof Lorenz Lorenz-Meyer beschreibt etwas, was ich sehr gut kenne, nämlich, „dass ich die Diskursivität des Social Web in der Theorie weit mehr begrüße als in der Praxis.“

(Bei allen Artikeln ist es durchaus empfehlenswert, die Kommentare zu lesen… )

Als Reaktion auf die festgestellte eigene und fremde Kommentierfaulheit, sind nun sogar ganze Anleitungen entstanden, zum Beispiel jene, wie man der „Kommentararmut in Blogs begegnen kann“.

Das klingt fast wie Blutarmut und im Grunde ist es auch eine solche – aus publizistischer Sicht. Zumindest für Online-Journalisten.

Dein Campus lebt!

Bonjour tristesse. Wer den schnellen Puls, das Leben auf der Überholspur des Mediencampus Dieburg einmal nachempfinden möchte, dem haben die Online-Journalisten des 4.6.* Semesters etwas mitgebracht:

via die Gosch

* Danke, da hast Du mir den Hals gerettet ;)

Lunchen und Lauschen auf dem Lerchenberg


Wir Online-Journalisten sind schon ein braver Haufen. Anstatt am Samstag den Rausch vom Vortag auszuschlafen, um anschließend in der Stammkneipe Fußball zu gucken, fahren wir zum Süddeutschen Journalistentag auf den Mainzer Lerchenberg und feilen an unseren Karrieren.
Schnell noch die Mägen mit Schnittchen und die Taschen mit Give-Aways gefüllt und schon geht es im Schweinsgalopp durch das bunte journalistische Programm:

Das Forum Existenzgründung mit Wolfgang Kiesel beantwortet die Frage „Wie baue ich meine journalistische Karriere ohne Angestellten-Job?“ – Wir lernen: Die Bezeichnung „Freier“ ist nichts als eine steuerrechtliche Schublade und wenn man es geschickt anstellt, kann man dem Staat eine ganze Menge Geld aus dem Kreuz leiern. Weiterhin wollen wir Kieslers Rat folgen und Belege zukünftig in einem Schuhkarton sammeln, denn Journalisten sind laut ihm entweder gute Journalisten oder sie können Buchführung.
Auch wenn Kiesler für meinen Geschmack etwas zu offensiv für den DJV und seine Person wirbt, ist es doch aufschlussreich, was man bei einer Karriere als „Freier“ alles bedenken muss.

Auf dem Podium Bildjournalismus diskutieren Sabine Brauer, BRAUER-Photo, Fotografin „BUNTE“ u.a., Harald Schmitt, Fotograf „STERN“, Volker Lensch, Leiter Bildredaktion „STERN“ und Eberhard Wolf, Artdirector „Süddeutsche Zeitung“. Schmitt ist einer von zwei verbliebenen festangestellten Fotojournalisten des „STERN“. Zu Hochzeiten waren es deren 23. Heute setzen die Printmedien verstärkt auf „Freie“ und auf Agenturen, die ihre Qualität in den letzten Jahren steigern konnten. Um so mehr muss die Devise der heutigen Fotoreporter sein, andere Motive als der DPA-Fotograf zu liefern – damit das Bild bei über 19.000 Fotos, die täglich in manchen Redaktionen eingehen, nicht unter den Tisch fällt.

Professor Dr. Hermann von der TU Berlin feiert auf dem Süddeutschen Journalistentag seinen 80. Geburtstag und bietet dem staunenden Publikum im Forum Sprache ein krachendes Feuerwerk an Fremdwörtern. Schließlich muss er seinen Titel rechtfertigen. Pragmatik, Semantik, syndaktisch, soziolinguistisch, optativ, Terminus, Paradigmen, antizipatorische Pädagogik, Sublimierung, Termini, ex katedra, psychotopographisch, exegetisch, Enzyklopädisten, Redundanz, Gratifikation. Einmal, als er kurz von seiner Metaebene heruntersteigt, sagt Hermann: „Man ist eigentlich inkompetent, hat aber eine hohe Kompetenz diese Inkompetenz zu vertuschen.“ Ich gebe es an dieser Stelle zu: Ich bin inkompetent. Man komme und erkläre mir all diese Begrifflichkeiten!

Im Forum Online sitzen Günther Vollath von der Augsburger Allgemeinen, Kai N. Pritzsche von FAZ.NET, Frank Syré von zoomer.de und Sebastian Holzapfel von FR-online. Viel Neues erfährt man nicht. Alle erklären die personelle Zusammensetzung ihrer Redaktionen und Frank Syré versucht verzweifelt die Strategie von zoomer irgendwo zwischen User Generated Content, Agenda Setting und Uli Wickert zu erklären. Spannender ist da das Gespräch zwischen Herrn Holzapfel und einer jungen Dame, die sich für ein Online-Journalismus Studium interessiert, welches ich am Rande mitbekomme. Von Online-Journalismus in Darmstadt hält er mal ganz abgesehen vom schlechten Standort nichts. Zu wenig Textwerkstätten, keine journalistische Routine, zu großer Technik-Schwerpunkt lauten seine Vorwürfe. Als wir uns schließlich zu erkennen geben und ihn auf den Kreuzchen-Blog unserer Kommilitonen aus dem dritten bzw. nunmehr vierten Semester ansprechen, lenkt er dann aber doch etwas ein und zieht von dannen.

Brisanz im Forum Recherche. Gemeinsam mit Thomas Morawski vom BR berichtet Ulrich Tilgner von seiner Arbeit als Auslandskorrespondent. Vom Konflikt mit dem ZDF ist jedoch nichts zu merken. Tilgner und Morawski bieten spannende Eindrücke aus ihrer Arbeit und interessante Gedanken zum Thema Qualitätsjournalismus. Mit diesem Highlight endet der Süddeutsche Journalistentag. Nach der Enttäuschung auf der Linken Medienakademie kann man die Veranstaltung in Mainz wirklich als gelungen bezeichnen auch wenn das Feilen an der Karriere nicht so ganz geklappt hat.

Linke Medienakademie. Tag Eins.

Stunden Autofahrt hinter uns. Unterkunft bezogen. Wir sind gut angekommen, in der Hauptstadt. Berlin hat uns!

Ein ergrauter, gemütlicher Herr mit obligatorisch rotem Schal fängt uns ab, als wir eigentlich schon fast am Ziel sind: „Wollt ihr zur Medienakademie? Gleich hier, im Neuen Deutschland“ Wir schauen auf das kastige, graue Gebäude. Auf dem Dach prangt das große Schild. „Ja, das Neue Deutschland ist näher als man denkt.“ Er lacht. Wir können uns ein Grinsen nicht verkneifen und folgen dem Mann.

Jetzt sitzen wir in der Eröffnungsveranstaltung. Genau in dieser Sekunde werden wir begrüßt. Größere Blogeinträge gibt es je nach verfügbarer Zeit.

Zwischendurchmeldungen werde ich per Twitter verlautbaren!

Nach Berlin, bitte links abbiegen.

Auf geht’s nach Berlin! Der Tobi, der Caspar und ich machen uns auf den Weg zur Linken Medienakademie.

Dort werden wir Vorträge und Workshops besuchen. Ausgewählt haben wir:

  • Herausforderungen für linke Medien
  • Wie mache ich einen Podcast
  • Moderne Trends in der Zeitungsgestaltung
  • InDesign
  • Ästhetik der Linken
  • Redigieren von Texten und Pressemitteilungen
  • Cross-Media-Publishing

Hoffen wir auf eine gute WLAN-Anbindung, dann gibt es hier auch zwischendurch aktuelle Berichterstattung

Wenn unzustellbar zurück

Die Studiengebühren sind überwiesen. Die Frau aus Hessen mit dem Y ist leider noch nicht soweit, ihr Wahlversprechen einzulösen.

Deshalb sind es diesmal 709 Euro 50 pro Semester.

Doch mein Briefkasten bleibt leer. Vergeblich warte ich auf Studienbescheinigung, Semesterticket und Studienausweis.

Nun kann ich mir nicht vorstellen, dass unsere Briefträger vor lauter Traurigkeit über das frühe Ausscheiden ihres Zumwinkels das Zustellen vergessen haben.

Aber an den etwas eigentümlichen Briefkastenverhältnissen im Karlshof müssen auch die motiviertesten Damen und Herren in Gelb von Zeit zu Zeit scheitern: „Wenn unzustellbar zurück“. Diese Aufforderung funktioniert im Karlshof leider nicht. Oft stimmen Namensschild und tatsächliche Bewohner nicht überein. Zu groß ist die Fluktuation in diesem Wohnheim. Im Zweifelsfall geht der Brief also nicht an den Absender zurück. Er wird einfach oben auf den Briefkasten gelegt.

Und wenn man so manchen Briefkasten sieht, stellt sich die Frage, wieviele Inkassoverfahren schon zu Unrecht eingeleitet wurden.

Vielmehr graut es mir aber vor der Verwaltung der h_da. Deren EDV hat mich schon einmal fast das Studium gekostet. Damals ging auch kein Brief bei mir zuhause ein. Da ich unter einer falschen Matrikelnummer eingetragen wurde, konnte mein Geldeingang nie verzeichnet werden. So wäre ich irgendwann wieder automatisch exmatrikuliert worden.

Denn – und da schielen wir nochmal auf die Regierungsbildung in Hessen – kein Geld: Kein Studium.