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	<title>unterdrei &#187; Wahl</title>
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	<description>Von 2007 bis 2009 war dies das gemeinsame Blog und Portfolio dreier Online-Journalismus-Studenten zu Netz, Print und Crossmedia.</description>
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		<title>Der Wahlspaziergang</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 17:29:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bundestagswahl 2009]]></category>
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		<description><![CDATA[„Ob hier schon was los war? Da m&#252;sst ihr sp&#228;ter kommen“, sagt Wahlhelfer Falk Berndt, 34 und lacht. Vor 14 oder 15 Uhr ginge in diesem Stadtteil kaum einer w&#228;hlen. Zusammen mit f&#252;nf weiteren Wahlhelferinnen und Wahlhelfern sitzt Berndt in einem Klassenraum der K&#228;the-Kollwitz-Oberschule im Wahlkreis Pankow. Die Wahlhelfer arbeiten in zwei Schichten. Eine fr&#252;h, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-483" title="Copyright: derStandard.at / Kersten A. Riechers" src="http://unterdrei.net/blog/wp-content/uploads/2009/09/20090927_wahllokal_pankow_btw09.jpg" alt="Copyright: derStandard.at / Kersten A. Riechers" width="582" height="333" /></p>
<p>„Ob hier schon was los war? Da m&#252;sst ihr sp&#228;ter kommen“, sagt Wahlhelfer Falk Berndt, 34 und lacht. Vor 14 oder 15 Uhr ginge in diesem Stadtteil kaum einer w&#228;hlen. Zusammen mit f&#252;nf weiteren Wahlhelferinnen und Wahlhelfern sitzt Berndt in einem Klassenraum der K&#228;the-Kollwitz-Oberschule im Wahlkreis Pankow. Die Wahlhelfer arbeiten in zwei Schichten. Eine fr&#252;h, eine sp&#228;t. Sie geben Stimmzettel aus und haken ab, wer sein Kreuz gemacht hat.</p>
<p>Pankow ist nicht gerade repr&#228;sentativ f&#252;r Deutschland. „Doch welcher Wahlbezirk ist das schon“, fragt einer der Wahlhelfer. In der N&#228;he von Essen g&#228;be es ein Dorf, das immer ganz nah am am bundesweiten Endergebnis dran sei.</p>
<p>2005 lag in Pankow die SPD vorne. Sie gewann 34,6 Prozent der Stimmen, gefolgt von der Linkspartei mit 24,4 Prozent. Die CDU? Abgeschlagen mit lediglich 14,4 Prozent. Und h&#228;tte allein dieser Bezirk im Osten Berlins &#252;ber die Zusammensetzung des Bundestages entschieden, die FDP w&#228;re mit 5,7 Prozent fast an der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde und damit am Einzug ins Parlament gescheitert.</p>
<p>Und heute? Demoskopen gehen davon aus, dass derzeit noch 40 Prozent der W&#228;hler unentschlossen sind, wo sie ihr Kreuz machen sollen. Was also mag einem W&#228;hler auf dem Weg zur K&#228;the-Kollwitz-Oberschule durch den Kopf gehen?</p>
<p>Merkel war nicht schlecht, aber auch nicht gut. Die SPD ist zu rechts, die Linken zu links, die Gr&#252;nen zu gr&#252;n und &#252;berhaupt: Von Wirtschaft haben die doch keine Ahnung. Dabei ist doch Krise. Also Stammw&#228;hlen? Wechselw&#228;hlen? Stell dir vor, Guido Westerwelle wird Au&#223;enminister. Stell dir vor, Frank-Walter Steinmeier bleibt Au&#223;enminister. Wieder Gro&#223;e Koalition. Willst du das? Ja? Dann w&#228;hle Gr&#252;n. Taktisch klug. Ist das &#220;berzeugung? Ist das noch Demokratie? Also lieber gleich ung&#252;ltig w&#228;hlen? Aus Protest. Protestwahl! Bin ich WIR? Weg mit Hartz IV! Links? Rechts? Ruck? Zu radikal. Also Volksparteien w&#228;hlen. Aber wie viel Volkspartei steckt noch in den Volksparteien? Kann angesichts dieser Umfragewerte &#252;berhaupt von Volksparteien gesprochen werden? Die Kinder, die Steuern, die Schulden, die Krise, die Krise, die Krise, das Geld, die Zukunft und Opel und Umwelt. Atom und Lobby, Fernsehduell und Afghanistan. Und wer sind eigentlich diese Piraten?</p>
<p>Wir fragen die, die gerade gew&#228;hlt haben. „Erststimme Thierse, Zweitstimme CDU“, verr&#228;t uns ein junger Familienvater. Wolfgang Thierse (SPD), von 1998 bis 2005 Pr&#228;sident des Deutschen Bundestages und seit 2005 Vizepr&#228;sident, wohnt gleich um die Ecke in der Knaackstra&#223;e. Einer aus dem Kiez. Einer, der anerkannt wird. 2005 gewann er &#252;ber 40 Prozent der Erststimmen. Wirklich aus &#220;berzeugung habe er nicht gew&#228;hlt, erz&#228;hlt uns der Mann. Der Wahl-O-Mat habe schlie&#223;lich den Ausschlag gegeben – „auch wenn da ganz kuriose Parteien vorne mit dabei waren.“ Er w&#252;nscht sich den Fortbestand der Gro&#223;en Koalition. Das sei doch gar nicht so schlecht gewesen.</p>
<p>Die wenigen &#228;lteren Menschen, die ins Wahllokal kommen, wollen uns nicht sagen, wen sie w&#228;hlen. Anders Mattia Bier. „Gr&#252;n, Gr&#252;n, Gr&#252;n“, sagt die junge Frau noch ehe wir unsere Meinungsforscherfrage beenden k&#246;nnen. Sie w&#228;hlt aus &#220;berzeugung. Keine taktischen Spielchen. So k&#246;nne Demokratie doch nicht funktionieren, meint sie. Dass die Chancen auf eine Regierungsbeteiligung der Gr&#252;nen von den Demoskopen als gering eingestuft werde – Mattia Bier zuckt mit den Schultern. „Ich glaube fest daran, dass die Gr&#252;nen an einer neuen Regierung beteiligt sind“, sagt sie und f&#228;hrt mit dem Fahrrad in den Wahlsonntag.</p>
<p>970 Menschen k&#246;nnten heute theoretisch in einer der zwei Wahlkabinen im Klassenraum ihr Kreuz machen. Doch dass die alle kommen – daran glaubt im Wahllokal niemand. Kristin Pfeiffer, 23, hilft bereits zum zweiten Mal. Sie hat sich ein Buch mitgenommen, ihre Nachbarin macht Kreuzwortr&#228;tsel. Ab 18 Uhr werden sie die Stimmzettel ausz&#228;hlen und das Ergebnis telefonisch weitergeben.</p>
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		<title>W&#228;hl mich! Nein mich!</title>
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		<pubDate>Tue, 01 May 2007 09:00:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kersten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portfolio]]></category>
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		<description><![CDATA[Zwischen Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy zu entscheiden, f&#228;llt den Franzosen nicht leicht. F&#252;r Amélie ist es noch schwerer – sie ist geistig behindert. Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal. Selbstbewusst pr&#228;sentieren sie sich der &#214;ffentlichkeit – auf Wahlplakaten, die in jedem noch so kleinen franz&#246;sischen Dorf aush&#228;ngen. An die Wand des Rathauses geleimt, l&#228;cheln sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwischen Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy zu entscheiden, f&#228;llt den Franzosen nicht leicht. F&#252;r Amélie ist es noch schwerer – sie ist geistig behindert. </strong></p>
<p>Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal. Selbstbewusst pr&#228;sentieren sie sich der &#214;ffentlichkeit – auf Wahlplakaten, die in jedem noch so kleinen franz&#246;sischen Dorf aush&#228;ngen. An die Wand des Rathauses geleimt, l&#228;cheln sie um die Wette. Doch die Tatsache, dass in der zweiten Runde nur noch zwei der urspr&#252;nglich zw&#246;lf Kandidaten zur Wahl stehen, scheint es den Franzosen nicht leichter zu machen. Auch nach dem Fernsehduell am vergangenen Mittwoch sind noch viele W&#228;hler unsicher, f&#252;r wen sie in der Stichwahl stimmen werden.</p>
<p>Viel Inhalt ist von diesen Wahlplakaten nicht zu erwarten. Neben ihren Wahlspr&#252;chen scheinen die Politiker vor allem auf ihren Kopf zu setzen. Ausstrahlung ist alles.</p>
<p>,,Und wei&#223;t du schon, wen du w&#228;hlen wirst?&#8220; , fragte Claire ihre Mitbewohnerin Amélie vor drei Wochen, also noch vor dem ersten Wahlgang. ,,Ja, ich schwanke zwischen drei Kandidaten: Ségolène Royal, Olivier Besancenot und Philippe de Villiers.&#8220; Claire stutzt einen Moment lang. Royal, Besancenot und de Villiers? Die erste ist Sozialistin, der zweite geh&#246;rt zu den radikalen Linken und der andere zur extremen Rechten. Amélies Favoriten stammen nicht einmal ann&#228;hernd aus dem selben politischen Lager.</p>
<p>Wenn man sie fragt warum sie ausgerechnet diese drei in Betracht zieht, antwortet Amélie: ,,Zun&#228;chst schaue ich mir das Foto des Kandidaten an. Wenn mir sein Gesicht gef&#228;llt, dann h&#246;re ich mir sein Programm im Radio an und lese in den Zeitungen.&#8220;</p>
<p>Amélie ist 31 Jahre alt und geistig behindert. Sie steht unter eingeschr&#228;nkter Vormundschaft und hat somit das Recht zu w&#228;hlen. Am Sonntag wird sie wie die meisten Franzosen zur Wahl gehen. Das ist ihr wichtig. Jeden Morgen h&#246;rt sie im Radio die Nachrichten, in den letzten Wochen vor allem Interviews und andere Beitr&#228;ge zur Pr&#228;sidentenwahl. Amélie ist ein sehr offener und kontaktfreudiger Mensch, sie l&#228;sst sich von Stimmen und Bildern leiten. Nicht selten &#252;bernimmt sie unreflektiert eine Meinung, die sie irgendwo aufgeschnappt hat. So kommt es, dass Amélie sich die Programme der Kandidaten, deren Gesichter ihr nicht sympathisch genug sind, gar nicht erst ansieht.</p>
<p>Vielen geistig Behinderten wie Amélie f&#228;llt es schwer, sich in der manipulativen Informationsflut zurechtzufinden. Warum sollen sie dann w&#228;hlen gehen? ,,Das ist eine schwierige Frage&#8220;, sagt Eliette Moriamez, Psychiaterin in Montéléger. ,,Alle B&#252;rger haben dieses Recht. Wie k&#246;nnen wir entscheiden, ob jemand das politische Geschehen ‚richtig’ einsch&#228;tzt? Es gibt Behinderte, die sich kaum verbal ausdr&#252;cken k&#246;nnen und haben dennoch ein ausgepr&#228;gtes politisches Bewusstsein. Diesen Menschen das Wahlrecht abzusprechen, w&#228;re nicht gerecht.&#8220;</p>
<p>Derselben Meinung ist auch Amélies Mitbewohnerin Claire. Sie ist angehende Sonderp&#228;dagogin und lebt zur Zeit als Betreuerin in der Wohngemeinschaft f&#252;r geistig Behinderte. Sie schl&#228;gt Amélie vor, einen Test im Internet zu machen. Auf der Seite Mon vote à moi (&#252;bersetzt in etwa: Meine eigene Wahl) finden sich 35 unterschiedliche Standpunkte zu politischen Themen. Zu jedem Thema kann der Besucher angeben, ob er damit einverstanden ist oder nicht. Am Ende vergleicht die Internetseite die Daten mit den Wahlprogrammen der Pr&#228;sidentschaftskandidaten. So kann der Benutzer erkennen, mit welchem Politiker er am ehesten &#252;bereinstimmt.</p>
<p>Amélie ist sofort sehr angetan von dieser Idee und so setzen sich die beiden vor den Computer. W&#228;hrend Amélie sehr laut ihre Zustimmung oder ihr Entsetzen &#252;ber die verschiedenen Thesen kund tut, versucht Claire neutral zu bleiben. Manchmal hat Amélie Fragen. Vor allem in der Finanzpolitik kennt sie sich wenig aus. Claire probiert so objektiv wie m&#246;glich zu erkl&#228;ren. F&#252;nfunddrei&#223;ig Mal klickt der Zeiger auf dem Bildschirm. Am Ende pr&#228;sentieren sich die Kandidaten aufgereiht in einer Rangliste. Ganz oben: Marie-George Buffet. Die Kandidatin der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF).</p>
<p>Amélie ist erstaunt. Niemals h&#228;tte sie sich mit dem politischem Gedankengut dieser Frau auseinander gesetzt. Ihr Gesicht gefiel ihr einfach nicht. Mit einem Mal steht sie auf und verschwindet. Als Claire sie einige Minuten im Wohnzimmer wiederfindet, ist Amélie dabei das Programm der Kommunistin Buffet zu lesen.</p>
<p>Von allein h&#228;tte Amélie sich allerdings wohl nicht auf diese Weise mit den Kandidaten auseinander gesetzt. Das wei&#223; auch Claire: ,,Die Wahlprogramme der Politiker sind zu kompliziert. Man m&#252;sste die Parteien dazu bringen, eine vereinfachte Version ihrer Programme zu ver&#246;ffentlichen. Davon w&#252;rden wahrscheinlich nicht nur die geistig Behinderten profitieren.&#8220;</p>
<p>© ZEIT ONLINE GmbH</p>
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